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Land und Leute

Das Land ist wohl eher eine Ansammlung von größeren und kleineren Inseln: 17 bewohnt, eine unbewohnt (Lítla Dímun), insgesamt etwa 1400 Quadratkilometer (rund dreieinhalbmal soviel wie der im MIttelmeer gelegene EU-Mitgliedsstaat Malta), 50.000 Bewohner, 80.000 Schafe. Deshalb vielleicht Färöer = Schafinseln.


17 bewohnte Inseln, eine unbewohnte - die Färöer

Wie kaum sonst, gehören hier Land und Leute zusammen, sie bilden gewissermaßen eine symbiotische Einheit:
Wen es in früheren Zeiten hierher verschlagen hatte, fand kaum zurück - es gab einfach keine Verkehrsverbindugen zum Festland. Zunächst war das auch so gewollt, denn die ersten Siedler hatten als freie Wikingerbauern Norwegen den Rücken gekehrt, weil sie dort unter der harten Herrschaft von König Harald Schönhaar zu leiden hatten. Und auf den Färöern waren sie weit genug weg von seinen Ansprüchen und Forderungen.
Also, was war das nun für ein Land, dass die norwegischen Auswanderer in Besitz genommen hatten?
Besonders fruchtbar schien es nicht zu sein - kaum größere Flächen, die für Ackerbau geeignet waren - überall nur Felsen und Berge. Kurz: ein karges, unwirtliches Land, das die Einheimischen noch heute "als unsere Klippen im Nordatlantik" bezeichnen.
Es liegt auf der Hand, dass unter diesen Umständen nur die virilsten, zähesten und anpassungsfähigsten "Landnehmer", die zuerst bei Funningur im Norden der Insel Eysturoy an Land gegangen waren, überleben konnten.

Einen Weg zurück gab es nicht, viele machten sich gleich wieder auf den Weg und zogen weiter - die meisten nach Island. Die Zurückgebliebenen mussten sich mit dem Land und seinen Möglichkeiten arrangieren. Wahrscheinlich gab es damals auf den nordatlantischen Inseln noch einige Wälder, aber die waren bald abgeholzt - sie wurden als Bau- und Brennholz verbraucht. Auch dabei gab es kein Zurück, eine Wiederaufforstung musste an den stetigen, starken Winden und der Gier nach frischen Trieben bei den mitgebrachten Schafen scheitern.
Den nachkommenden Generationen blieb nichts anderes übrig, als nach anderem Baumateriel zu suchen: Bruchsteine für die Mauern, sowie Grassoden und Treibholz für die Dächer der zu errichtenden Gebäude. Als Brennmaterial verwendete man nur noch Torf und der Speisezettel wurde durch Fischgerichte ergänzt.
Die norwegischen Bauern hatten schon immer Fischfang betrieben, und zwar im Winter, wenn es auf den Äckern nichts zu tun gab, aber hier auf den Färöern, gab es an den steilen Berghängen und vor allem auch wegen der ungünstigen Klimabedingungen gar nicht die Möglichkeit zu einer anderen Form der Landwirtschaft als der Viehzucht. Und die konnte man das ganze Jahr über betreiben. Das Ergebnis: Die Schafhaltung und was das Meer ganzjährig zu bieten hatte, wurden zur Lebensgrundlage.



Funningur - Dorf der Landnahme

Und das blieb auch in den kommenden Jahrhunderten so, besonders als die Färinger ihre Unabhängigkeit in Folge der Christianisierung wieder verloren. Zunächst wurden sie wieder Norwegen angegliedert, das ab etwa 1400 von Dänemark dominiert wurde.
Nun waren die Färinger erst recht auf sich selbst gestellt, mussten sich zwei Regimen beugen, die sie anscheinend nur so nehmen konnten, wie sie waren: der launischen Natur und der Habgier dänischer Autoritäten.
Vor allem der "Königliche Monopolhandel" erwies sich immer wieder als Bremsklotz einer gedeihlichen Entwicklung. Im Grunde änderte sich das erst mit dem Zweiten Weltkrieg, als Dänemark faktisch keinen Einfluss mehr ausüben konnte, und stattdessen die Briten die Kontrolle übernommen hatten, bei weitestgehender Selbstverwaltung der Färöer.

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Noch zu Beginn des 20. Jh. in T'Havn: Waschtag am Bach

Und als der Krieg zu Ende war, pochten die vormals abhängigen dänischen Außengebiete auf Souveränität, Island wurde sie gewährt, den Färöern aber wegen eines angeblich zu knappen Ergebnisses bei der Volksabstimmung vorenthalten!!!
So wurden die Färöer praktisch der "Schwanz der mit dem Hund wackelt" - die Dänen müssen bis auf den heutigen Tag, und darüber hinaus bis zu dem Termin einer völligen Souveränität, all die Kosten übernehmen, die den Färingern zu hoch sind: Ausgaben für die innere und äußere Sicherheit, für ein umfassendes Hochschulwesen, Gesundheitsfürsorge etc. etc..
Kein Wunder, dass da die Färinger nach wie vor gespalten in der Frage einer völligen Souveränität sind: die einen träumen davon, die anderen, die sich für Realisten halten, meinen, dass der "Spatz in der Hand", die jährliche feste Geldzuweisung aus Dänemark, besser ist als der Traum von Erdölfeldern in den zu den Färöern gehörenden Gebieten der Nordsee als "Taube auf dem Dach".

Die Färinger haben auch trotz - oder gerade wegen der isolierten Lage ein Nationalbewusstsein etwickelt, das sich vor allem in einer eigenen nationalen Sprache manifestiert, das Färöische, gepflegt in Jahrhunderten durch die in Europa noch einzigartigen Kettentänze, bzw. Tanzballaden.
Im 19. Jahrhundert schuf dazu der Pastor V. Hammershaimb ein Verschriftlichungssystem, das sich an der Entwicklung der englischen Sprache orientierte.
Zudem gibt es in dem kleinen Land nahezu alles, was man auch in einem viel größeren Land erwartet - vielleicht sogar noch mehr, wenn man etwa daran denkt, dass Belgien, Österreich oder die Schweiz gar keine Nationalsprache haben!

Übrigens: Obwohl die Färöer zur sogenannten "dänischen Reichsunion" gehören, sind sie nicht Mitglied der EU, das liegt weniger daran, dass das Land dazu viel zu klein ist, denn das EU-Vollmitglied Malta z.B. ist ja noch viel kleiner : die Färinger wollten einfach nicht dabei sein, weil sie die Überfischung durch deutsche und britische Fangflotten in ihren Hoheitsgewässern befürchteten und selbst bestimmen wollten, wer ihre Fischgründe nutzt. Und so hat jeder Färinger zwei Staatsbürgerschaften, die ihn berechtigen, sich jeweils für eine ihm genehme Option zu entscheiden: Als Däne ist er Mitglied der EU mit all deren Rechten, als Färinger ist er eben nicht Mitglied der EU und muss daher von europäischen Verpflichtungen nur die übernehmen, die ihm passen!