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Darum die Färöer!
Also, für mich begann alles im Jahre 1978. Zum Ende des Winters war plötzlich mein Vater verstorben, und als der nächste
Winter kam, beschlossen seine beiden Söhne, etwas zu seinem Andenken gemeinsam zu unternehmen - vielleicht eine Reise dahin, wo man - wie man so sagt - die Seele baumeln lassen kann?
Klar, dass für das Ziel kein Ort infrage kam, der von Touristen überlaufen wird - also nichts am oder im Mittelmeer. Aber eine Insel - oder ein Archipel - sollte es schon sein.
Hilfe bei der Suche nach solch einem Sehnsuchtsort verschaffte ein alter Weltatlas.
Ganz oben links auf der Europakarte fanden wir Island, darunter weiter rechts die Färöer und noch weiter nach rechts unten die Shetlandinseln.
Von Island hatten wir schon einiges gehört: Von atemberaubenden Landschaften mit Wasserfällen und dampfenden Quellen, von Geysiren, von Trollen die unter Gletscherhöhlen lauerten -
kurz - von jeder Menge Sehenswürdigkeiten, die wohl auch jede Menge Touristen anlocken müssten. Außerdem sehr weit, sehr groß ... und von daher, wenn man nun
einmal dort wäre, gar nicht mehr als Insel erkennbar.

Route Esbjerg - Tórshavn
Ich favorisierte zunächst die Shetlandinseln, schließlich sprach man dort Englisch und nicht so etwas Unverständliches wie Dänisch oder schlimmer noch: Färöisch.
Ein Blick auf die Wetterkarte verhieß dann auch nicht unbedingt ein angenehmes Urlaubsgefühl: die meisten Regentage Europas! Allerdings sah es bei den Shetlandinseln auch nicht viel besser aus.
Ich will es kurz machen - wir entschieden uns trotz allem für die Färöer. Und das kam so:
Rüdiger, mein Bruder, war in ein Reisebüro gegangen und hatte verschiedene Erkundigungen eingeholt, und ein Ergebnis davon war ausschlaggebend:
Man könnte die Färöer viel leichter erreichen!
Von Esbjerg, knapp 100 Kilometer nördlich der deutschen Grenze, ginge eine Fähre direkt nach Tórshavn, der färöischen Hauptstadt, Überfahrtszeit 34 Stunden!
Und obwohl diese Seereise mit der M/S England für mich als alles andere als angenehm wurde - die Seekrankheit hatte mich aufs Heftigste erwischt - am liebsten hätte ich den felsigen Boden geküsst,
als wir endlich mitten in der Nacht zum 27. Juni 1979 an Land gehen konnten!
Auf Sandoy bei Skopun am 27. Juni 1979
Schon am anderen Tag erwies sich, dass die Inseln ganz anders als erwartet waren. Von wegen Regen, der kam erst am Abend.
Im gleißenden Sonnenlicht zeigten sie sich zum Verlieben schön, trotz - oder vielleicht wegen? - der fehlenden Bäume: nichts schränkte
den Blick ein, und bei einem Aufenthalt auf der Insel Sandoy beschloss ich: Ich werde nie jemandem erzählen, wie großartig es hier ist - Touristen
würden dieses Land nachhaltig verderben!
Ich habe hiermit mein mir selbst gegebenes Wort gebrochen, aber das macht nichts, weil andere schon diese Botschaft herausposaunt haben, vor allem das Reisemagazin
"National Geographic Traveler", deren Journalisten die Färöer im Jahre 2006 als most appealing von 111 vorgestellten Inseln und Inselgruppen
bezeichneten.
Und danach sind in dem ohnehin nicht gerade billigen Land die Preise besonders für Reisende sprunghaft angestiegen.
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